Bertold Stallmach

Die Animationsfilme von Bertold Stallmach sind kurze und unterhaltsame Essays zur Struktur der Gesellschaft. Der in Berlin lebende Künstler inszeniert seine Überlegungen zur Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft, und zur Festlegung der Identität. Trotz komplexer Fragestellungen schafft Stallmach einfache Erzählungen, die einzelne Aspekte einleuchtend vor Augen führen.

Das Projekt Dreisatz der Identität ist eine Kollaboration mit dem Künstlerduo Nina Fischer & Maroan el Sani, in der eine Zukunft nach dem gescheiterten Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses vorgestellt wird. Das versandete Modell des Künstlerduos bildet den Hintergrund für drei Filme, die mit Witz die Identität des Individuums, die Authentizität der Künstlerfigur und die Identität einer sich abgrenzenden Gesellschaft inszenieren.

Bertold Stallmach studierte in Zürich und Japan. 2013 erhielt er den Schweizer Kunstpreis und 2017 den Prix Mobilière. Dreisatz der Identität wurde bereits im K21 in Düsseldorf, in Rom und Aarau gezeigt.

 

SAA: Kannst du uns etwas zur Arbeit erzählen, die bei den Swiss Art Awards gezeigt wird?

BS: Der Film Das Mosaikprojekt war ursprünglich als ein Versuch geplant, sich die Auswirkungen eines wirtschaftlichen Systemwechsels auf das menschliche Zusammenleben vorzustellen. Dazu wurde der persönliche Besitz von acht Nachbarn in einem Mietshaus und dem Eigentümer der Immobilie fotografiert. Aus den Fotos wurden die Animationsfilmfiguren zusammengesetzt. Diese Figuren treffen im Film im Zusammenhang mit einem Erbfall aufeinander.

Der Film Systeme der Anerkennung – Design your life ist der erste Teil einer geplanten Kurzfilmserie über “Systeme der Anerkennung” in unterschiedlichen sozialen Milieus.

SAA: Welche Welten sind in deiner Arbeit eingebunden oder werden damit angesprochen?

BS: Ausgangspunkt für meine Projekte ist meistens ein Interesse an psychologischen oder soziologischen Fragestellungen. Die Auseinandersetzung mit diesen Themen führt zu einer Festlegung auf bestimmte Arbeitsmaterialien und den damit verbundenen Formen. Wenn ich mit der Umsetzung beginne, verschiebt sich das Interesse hin zu den ästhetischen Möglichkeiten der gewählten Gestaltungsmittel. In den Filmen mischen sich häufig (alp-)traumartige Sequenzen mit alltäglichen Szenerien.

SAA: Wenn du mit einem Spezialisten arbeiten könntest: aus welchem Bereich würde das sein und für was für ein Projekt?

BS: Ich würde gerne in einem Team von Archäologen und künstliche Intelligenz-Experten an der Entschlüsselung von alten Schriftsystemen arbeiten.