Dominique Koch

Dominique Koch, die 2018 für den Prix Mobilière nominiert wurde, beschreibt ihre Installationen als offene „Denklaboratorien“. Die Künstlerin lässt Überlegungen aus der Biologie mit Theorien des Kapitalismus in ihre klinische Hi-tech Installationen zusammenfliessen. Darin destilliert Koch die wissenschaftlichen Quelltexte und schafft daraus eine immersive Erfahrung, in der die Texte das Material für die Erzählung einer parallelen Realität werden: «Holobiont Society operiert als ein spekulatives Gegenmodell, um so der „Game-Over“- Erzählung eine Alternative gegenüberzustellen.» Die Einzelausstellung Holobiont Society wurde 2017 im CAN, Centre d’Art Neuchâtel vorgestellt. Ein Jahr zuvor zeigte Koch Maybe We Should Rejuvenate the Words rather than the Bodies im artist-run space Rinomina und 2015 Beyond Chattering and Noise im Centre culturel Suisse, Paris.
Zur Installation Perpetual Operator, die 2016 den Basler Medienkunstpreis erhielt, schreibt der Kurator Noah Stolz: «Die Qualle wird zu einer seltsamen Heldin eines komplexen Werkes, das zugleich den Zustand eines versteinerten kapitalistischen Modells am Rande des Zusammenbruchs kommentiert und dieses mit den nicht weniger starren Mustern der zeitgenössischen Kunst vergleicht. Seit jeher ist Koch bestrebt die Interaktionen zwischen Kunst und Realität neu zu definieren. Sie verbindet deshalb Forschungsbereiche, die normalerweise nichts miteinander zu tun haben, und lässt sie miteinander verschmelzen.»

SAA: Kannst du uns etwas zur Arbeit erzählen, die bei den Swiss Art Awards gezeigt wird?

DK: Ich zeige eine Filminstallation mit dem Titel Holobiont Society. Im Film werden einerseits Machtverhältnisse – anhaltende Kriege – erläutert, die unsere zeitgenössische Welt bestimmen und andererseits eine Interpretation des Begriffs des Holobionts formuliert, welcher der Molekularbiologie entstammt und die Idee der Symbiose beschreibt. Es ist demnach auch eine kritische Befragung zur Sonderposition eines individualistischen Körpers. Die Erzählung des Films entwickelt sich entlang geführter Gespräche mit dem Soziologen Mauri­zio Lazzarato, der Philosophin Donna Haraway und dem Biologen und Zellforschers Scott Gilbert.

SAA: Welche Welten sind in deiner Arbeit eingebunden oder werden damit angesprochen?

DK: Mikro-Welten, die sich mit Makro-Welten verbinden lassen um so einen Kommentar zum heutigen Weltgeschehen zu formulieren finde ich sehr spannend. In Holobiont Society ist der Ausgangspunkt wie bereits beschrieben ein Begriff aus der Molekularbiologie, anhand dessen sich das grosse Weltgeschehen mit der Welt kleinster Partikel – Bakterien und Mikroben – die unsere Körper besiedeln, verbinden lässt. Dies eröffnet wiederum neue Welten, in denen unter anderem auch die Fiktion Platz findet.

SAA: Was für Spuren willst du hinterlassen?

DK: Wenn es überhaupt erst eine Spur gibt, dann ist dies bereits ein toller Erfolg.Wenn nun diese Spur zudem für andere Künstler und Betrachter inspirierender Natur ist, dann ist das Ziel definitiv erreicht.