Michael Meier & Rico Scagliola

Für ihre Arbeiten sammeln Rico Scagliola & Michael Meier audiovisuelle Attribute, welche die Selbstkonzepte einzelner Menschen oder Menschengruppen konstruieren und erkunden. Sie erforschen wie sich diese zur Selbstwahrnehmung eines gesellschaftlichen Kollektivs verhalten. Die Künstler gehen multimedial vor, bedienen sich bestimmten Bildgenres und imitieren diese, absorbieren Bildvorstellungen der Porträtierten oder wählen wiederum eine klassisch distanzierte Autorenposition.
In ihrer aktuellen Arbeit fotografierten Rico Scagliola & Michael Meier unbemerkt Menschen jeglicher Herkunft und jeden Alters im öffentlichen und halböffentlichen Raum von Städten – auf der Strasse und auf Plätzen, in Cafés und Bars, in Bahnhöfen und Flughäfen, in Geschäften und Einkaufszentren. In der Tradition der subjektiven Street Photography untersuchen sie Alltagsriten und Selbstdarstellungsstrategien und beobachten, wie sich die Grenze zwischen Öffentlichkeit und Privatsphäre durch die Verbreitung neuer Medien verhält. Dabei wird offenkundig, wie Menschen westlicher Prägung, weitgehend befreit von grossen Ideologien und starren sozialen Normen, sich als eigenständiges Selbst zu beweisen versuchen, dabei aber immer wieder vom absorbierenden Mainstream eingeholt werden. Neben diese Bilder treten Texte mit Gesprächsfragmenten – auf der Strasse gehörte Gespräche mit Freunden oder Monologe aus Youtube-Kanälen. Zusammen lassen Text und Bild die Zuschauer_innen in einen (main)stream of consciousness eintauchen. Die Bilder und Texte fügen sich zu einer transnationalen gesellschaftlichen Gesamtschau zusammen, einer losen Folge von Sittengemälde – einer „comédie humaine“ der Gegenwart. Grosse Teile dieser neuen Arbeit waren 2017 in der Einzelausstellung «Together» in der Kunsthalle St. Gallen zu sehen. Parallel zur Ausstellung erschien die Doppelpublikation bestehend aus dem Bildband «years later…» und dem Textband «hours later…» bei Edition Patrick Frey.
Rico Scagliola & Michael Meier arbeiten als Künstlerduo seit 2008. 2010 erhielten sie ihren Master mit Vertiefung in der Fotografie an der ZHdK. Ihre Werken waren u.a. in folgenden Gruppenausstellungen zu sehen: «The Bad Mood Show», Plymouth Rock Zürich, 2016, «Werkschau 2016», Haus Konstruktiv, 2016, «Building Modern Bodies», Kunsthalle Zürich, 2015, «Klöntal Triennale», Kunsthaus Glarus, 2014 und «Das schwache Geschlecht», Kunstmuseum Bern, 2013.

 

SAA: Könnt ihr uns etwas zur Arbeit erzählen, die bei den Swiss Art Awards gezeigt wird?

RS&MM: Narren, ein Teufel, Soldaten und Soldatinnen, ein Indianer, eine Fee, PatrizierInnen in Rokoko-Roben, Minnie Mouse, der Vogel Greif, eine Magd, eine Prinzessin und ein Clown versammeln sich auf den Strassen und warten auf ein Ereignis, an dem teilzunehmen von ihnen erwartet wird. Die Rollen sind verteilt, aufbegehren möglich.

SAA: Welche Welten sind in eurer Arbeit eingebunden oder werden damit angesprochen?

RS&MM: Die unterschiedlichen Bild- und Sprachwelten welche Repräsentationsstrategien, soziale Interaktionen und Rollenverteilungen in den Gesellschaften, in welchen wir uns selbst alltäglich bewegen, hervorbringen.

SAA: Wenn ihr mit einem Spezialisten arbeiten könntet: aus welchem Bereich würde das sein und für was für ein Projekt?

RS&MM: Wir befassen uns zurzeit mit einer Arbeit über einen Friedhof in Zürich und werden dafür unter anderem mit einem/einer OrganistIn zusammen arbeiten. Die schiere Komplexität der Bauweise und des Spielens einer Orgel faszinieren uns sehr.

SAA: Gibt es einen Ort (in der Schweiz oder im Ausland) der eure Arbeit inspiriert?

RS&MM: Das kulissenhafte Venedig, der Letzipark in Zürich-Altstetten oder dem baldigen Untergang geweihte Orte wie zum Beispiel DVD- Shops.