Nadine Olonetzky

Die Kulturjournalistin, Autorin und Herausgeberin Nadine Olonetzky ist eine etablierte Grösse wenn es um Bild und Landschaft geht. Ihre Schriften findet man in der nationalen und internationalen Presse sowie in Verlagshäusern für Kunst- und Fotobücher. Auch dozierte sie in den Bereichen Visuelle Kommunikation, Kulturjournalismus und Pressefotografie.

Mit ihren Texten reflektiert Olonetzky, wie Künstler/innen Landschaften zwischen Kultur und Natur wahrnehmen und entschlüsseln: “In Landschaften und in Bildern von Landschaften werden menschliche Spuren sichtbar, die von Ideen, Intentionen, Sehnsüchten, aber auch von Ausbeutung, Gier, Macht, von scheiternden Vorhaben, Katastrophen, Ängsten erzählen.”

Ihre Herangehensweise führte sie zur Betreuung und Entwicklung von Fotobüchern, die in enger Zusammenarbeit mit Künstler/innen entstehen. Für das Werk Meinrad Schade – Krieg ohne Krieg erhielt sie 2016 den deutschen Fotobuchpreis in Silber.

SAA: Warum braucht Kunst Vermittlung?

NO: Im Sport oder in den Naturwissenschaften ist die Vermittlung von Fachbegriffen, Zielen, Inhalten oder Porträts von Protagonisten selbstverständlich. Warum ist diese Vermittlung im Kunstbereich nicht ebenso selbstverständlich?

SAA: Wie näherst du dich einer Arbeit, die du/ihr präsentieren möchtet?

NO: Beim Schreiben: Produktiv sind Umwege, immer. Die Arbeit betrachten, das Gesehene setzen lassen. Lesen, recherchieren, Gespräche führen, auch diese setzen lassen. Also Eintauchen und Abstand gewinnen. Mit etwas Sichtbarem oder auch mit etwas scheinbar Abwegigem, das ich auf den Umwegen entdeckt habe, zu schreiben beginnen. Dann, während des Schreibens, Ideen, Zusammenhänge finden. Selbst überrascht werden.

Bilder: © Nadine Olonetzky, Bildauswahl für das Buch von Roland Iselin: Unguided Road Trip

SAA: Erzähl uns etwas darüber, was das letzte Kunstwerk, das du mochtest, mit dir gemacht hat?

NO: Die drei Zürcher Strassenlampen, die Bob Gramsma 2017 im Rahmen von «Arte Albigna» oberhalb des Albigna-Stausees installierte; Titel: «Clearing, OI#17235», haben mich neu über Stadt und Bergnatur, Wasser, Strom, Dunkelheit und Licht, Alltag und Kunst nachdenken lassen. Gramsma’s skulpturale Installation ist ebenso poetisch wie technisch-kühl, ebenso absurd wie stringent, weil der Strom für das Licht, das nachts in Zürichs Strassen leuchtet, u.a. durch den Stausee zu Füssen der drei Kandelaber produziert wird. Zusammenhänge werden deutlich – mit Leichtigkeit, Witz und gleichzeitig gewichtig.

Bild: © Ralph Feiner, Arte Albigna

SAA: Welcher Künstler hat dich kürzlich inspiriert?

NO: Das Werk des Konzeptkünstlers Rémy Markowitsch, das aufgrund seiner ausgiebigen Recherchen und mit vorgefundenem Bildmaterial entsteht, verführerisch schön daherkommt, aber vielfältigste – auch politisch und gesellschaftlich brisante – Bezüge hat: in der Installation «Glückliche Zeiten» (2016) mit den Grillenkämpfen in China etwa auf Leidenschaft und Hoffnung, (Geld-)Gier und Kampfeslust, Gewinn und Scheitern, etc. Markowitschs Werk reflektiert dabei immer auch die Bildwelt in Büchern, die Auskunft gibt über die Sichtweisen und Darstellungsarten einer Epoche, über Wissen und Unwissen – über die Wahrnehmung und Interpretation der Welt, die sich im Lauf der Zeit ändert wie wir selbst.

http://www.markowitsch.org/pdf_works/pdf_d_works/glueckliche_zeiten_d.pdf