Reto Müller

Der Bildhauer Reto Müller, der sein BA 2013 an der École cantonale d‘Art du Valais ECAV in Siders abschloss, und im selben Jahr den Prix pour Jeunes Artistes der Fondation Bea erhielt, schafft hybride Objekte zwischen Monumentalität und Spuren, Resten, Fragmenten. Die Grössenordnungen verschiebt er, indem er historische Referenzen und Produktionsprozesse kombiniert. Damit schafft Reto Müller eine Art Karneval der Objekte, die den Betrachter einlädt seine eigene Grösse zu bestimmen. 2017, für seine erste institutionelle Einzelausstellung im Kunsthaus Langenthal «nimmt er Bezug auf das Erbe der frühmodernen Architektur in der Schweiz, insbesondere in Langenthal: Der Corbusier-Vertraute und Herausgeber der Oeuvres Complètes Willy Boesiger baute 1928 in Langenthal ein kompromisslos modernes Gebäude für die Schreinerei seines Vaters. Geschichte und Gegenwart solcher Bauten bilden den Ausgangspunkt für Müllers neue Videoarbeit. Diese kombiniert er in der Ausstellung mit eigenen Reliefs aus Beton, Zinn oder gegossenem Basalt, in denen Erstarrungsprozesse und Normierung sichtbar werden und in denen er Fragen nach dem Modellhaften, Modularen und menschlichem Mass nachgeht.»

Im selben Jahr stellte er in der Ausstellung Gesellschaft zur Wertschätzung des Brutalismus, HMKV Dortmund, aus. 2016 stellte er u.a. bei Grand Palais, Bern, und in den Gruppenausstellungen Meer teilen ‐ share more, Neuershed, Frauenfeld, und MSU Museum of modern Art, Zagreb und Tomber sous le vent, Passerelle Centre d’art contemporain, Brest, aus. Auf Le Corbusier traf Reto Müller auch 2015 in der Ausstellung Rencontre avec un bateau, Maison Corbusier Fondation Suisse, Paris.


SAA: Kannst du uns etwas zur Arbeit erzählen, die bei den Swiss Art Awards gezeigt wird?

RM: Die Arbeiten entstammen den Werkgruppen Relief Fassadenmodell und Brunnenfigur und Potentielle Normaliensammlung – eine Festarchitektur.
Hier in der Messehalle sind sie für die Dauer der Ausstellung, ineinander verschränkt, zu einem neuen Ensemble formiert. Die Bodenplatten, das Rohrelement und das Relief sind aus Basaltgestein gegossen. Dazu stehen auf dem Boden die zwei Konstruktionsholzplatten und ein Bildschirm, auf dem der Film Brunnenfiguren abgespielt wird.
Basalt ist ein Gestein, trägt in sich aber die Möglichkeit, erneut aufgeschmolzen und für einen Formguss verwendet zu werden. Die technischen Eigenschaften des Materials stehen seinen metaphorischen Aspekten gegenüber, die für mich Zeitlichkeit, Kraft und das Potenzial zur Veränderlichkeit beinhalten. Diese schreiben sich im Moment der Erstarrung ein. Die Form, welche endgültig versteinert scheint, bleibt potentiell variabel.
Zum Film; da gibt es viel direkt Erlebtes, eine nahe Realität, oder Vergangenes, welches für einen Moment wieder aufgerichtet wird und dadurch Form gewinnt. Es sind individuelle Betrachtungen, geformte Erfahrungen und Schauplätze meiner Dauerausstellung, welche mit meiner aktuellen Ausstellung in Schaffhausen eröffnet hat.

SAA: Welche Welten sind in deiner Arbeit eingebunden oder werden damit angesprochen?

RM: Alle mir bekannten Welten sind Ausgangspunkte, um sie mit all jenen zu verknüpfen die mir nicht, oder nur vage bekannt sind.

SAA: Wenn du mit einem Spezialisten arbeiten könntest: aus welchem Bereich würde das sein und für was für ein Projekt?

RM: Für die Realisierung der Basaltgüsse, die ich als Monotypen bezeichne, habe ich intensiv mit der Industrie und den Handwerkern gearbeitet, welche sich mit der Realisierung und Abformungsprozessen von Volumen und Oberflächen beschäftigen.

Meine Arbeit denke ich filmisch. Ich überlege mir, den Menschen als aktiven Protagonisten in meine Filme einzuführen. Dazu würde ich gerne wieder mehr mit Kameraoperateuren zusammenarbeiten.

SAA: Gibt es einen Ort (in der Schweiz oder im Ausland) der deine Arbeit inspiriert?

RM: Ich bin praktisch permanent in Bewegung, viel im Auto unterwegs…

Ich gehe nicht davon aus, dass ich mich von etwas inspirieren lasse, verstehe aber meinen jeweiligen geografischen Standort als aktive Interaktion und als Resonanzkörper, der nach einer unmittelbaren Haltung verlangt.

SAA: Was für Spuren willst du hinterlassen?

RM: Basalt ist extrem beständig – auch in erdgeschichtlichen Zeiträumen gedacht –, ein Material das über Jahrmillionen praktisch unverändert überdauern kann. Dies, bis zum Moment wo das scheinbar Absolute uns wieder in einer fluiden Form entgegentritt.