Vincent Kriste

Mit seiner realistischen und objekthaften Malerei bringt Vincent Kriste Dinge in den Raum zurück. Seine Malereien spielen mit dem Zerfall von Dingen, und mit der Bestrebung sie zugleich als Material sowie als Geschichte oder Gedächtnis zu erhalten. Seine Bilder sind jedoch keine flachen Trompe-l’oeils, die man bei naher Betrachtung durchschaut. Kommt man der Oberfläche der Bilder näher, kann man sich in eine abstrakte und unebene Welt vertiefen. Mit seiner Malerei hinterfragt Kriste wie sich unsere Symbolwelt in der sich immer verändernde Materie verankert.

Der Maler hat an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel im Bereich Bildende Kunst/Medienkunst studiert, bevor er seinen künstlerischen Werdegang mit einem Master in Fine Arts an der ZhdK fortführte.

SAA: Kannst du uns etwas zur Arbeit erzählen, die bei den Swiss Art Awards gezeigt wird?

VK: Ich zeige eine Gruppe von Bildobjekten, die den 1997 gespielten Schachwettkampf zwischen Garry Kasparov und dem IBM Computer Deep Blue thematisieren. Es kommen damit zwei Dinge zusammen, die in meinem Leben eine grosse Rolle spielen: Malerei und Schach. In der Arbeit, ausgehend von Quellen (Partienotationen und -kommentaren, Fotografien, Requisiten der Spielstätte, Handschriften, usw.), schaffe ich neue Artefakte. Das geschieht mit den Mitteln und unter den Voraussetzungen der Malerei – Strukturen und Muster werden dabei transformiert und rekurrieren schlussendlich gleichermassen auf das historische Ereignis, die Struktur einer Schachpartie und die bildnerische Praxis der Malerei.

SAA: Wenn du mit einem Spezialisten arbeiten könntest: aus welchem Bereich würde das sein und für was für ein Projekt?

VK: Das kommt auf die Form der Zusammenarbeit an. Eigentlich arbeite ich gerne alleine. Die Dinge selber zu machen und Entscheidungen selber zu treffen hat vieles für sich. Ich könnte mir allerdings einen Austausch oder eine Zusammenarbeit mit einem Restaurator vorstellen. Ein bestimmtes Projekt habe ich nicht im Kopf, doch die Prozesshaftigkeit des Materials interessiert mich sehr – besonders die Frage, durch welche Einflüsse Material zur Form wird, was auch Verfallsprozesse mit einschliesst.

SAA: Aus der Zukunft betrachtet, was wird die Kunstgeschichte über dich schreiben? 

VK: Ein historischer Roman über Leben und Werk wäre flott. Aber ich denke, vielmehr als “Vincent Kriste, *1979 Zürich, Malerei” wird es nicht sein.